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Feb
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Viktor Hovland – Eine amüsante Geschichte aus Norwegen

Beim Langlauf und am Skihang sind die Schweden den Norwegern gnadenlos unterlegen. Beim Golfen aber hatten wir immer die Nase vorn. Bisher jedenfalls. Viktor Hovland könnte dem jetzt ein Ende setzen.

Ein blauer Juli-Himmel liegt über dem Larvik Golf Club, etwa zwei Stunden südlich von Oslo. Die Sonne scheint und wir können mit Fug und Recht sagen, dass ein norwegischer Sommerabend genauso schön ist wie ein schwedischer.

Die Zuschauer warten gespannt am ersten Abschlag. Gleich wird er erscheinen. Norwegens bester Golfspieler aller Zeiten.

Viktor Hovland ist für einen zweiwöchigen Urlaub zu Hause in Norwegen und dachte, er könnte einen ruhigen Abend mit seinen Freunden Andreas Halvorsen, Kevin André und dem ehemaligen Fußballprofi John Arne Riise verbringen. Aber was geschieht wohl, wenn man einen der weltbesten Golfer unter dem eigenen Namen für eine abendliche Freundschaftsrunde bucht und sich das herumspricht?

Und es spricht sich herum.

Hunderte von Menschen sind aus allen Teilen des Landes angereist, um Viktor Hovland beim Golfspielen zuzusehen, während er im Urlaub ist. Ein Fan ist mit seinem Sohn extra von Bergen nach Larvik gefahren, um sich diese Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Das Signieren von Caps, Fotos und gelegentlicher Jubel nehmen an diesem Abend wesentlich mehr Raum ein als die eigentliche Golfrunde.

„Die Nachricht lief über Golfbox (das norwegische Pendant zu Min Golf (My Golf)) und ich dachte nicht, dass das ein Problem sein würde. Aber dann hat wohl jemand meinen Namen gesehen und es hat sich herumgesprochen. Als ich ankam, waren plötzlich ein paar Hundert Leute da, die zuschauen wollten. So hatte ich mir das nicht vorgestellt“, lacht Hovland.

Ihre Freunde hatten trotzdem Spaß?

„Ja, sie waren ein bisschen nervös. Aber es war ein richtig toller Tag.“

Norwegen, das führende Wintersportland, hat das Golffieber gepackt. Und das ist kein Wunder.

Abgesehen von Suzann Pettersens herausragender Karriere mit 15 Siegen auf der LPGA-Tour, zwei Major-Siegen und einer Platzierung als Nummer 2 der Weltrangliste war die norwegische Flagge in der Golfelite eher selten zu sehen. Norwegen und Schweden pflegen seit jeher in vielen Sportarten eine freundschaftliche Rivalität. Auf den Golfplätzen der Welt war jedoch lange klar, welche nordische Nation dominierte.

Zumindest bis 2019.

Das war als Viktor Hovland zum ersten Mal auftauchte und sich sowohl bei Golfern als auch bei Nichtgolfern in Norwegen einen Namen machte. Im Jahr zuvor hatte er die US-Amateurmeisterschaft gewonnen und 2019 wurde er 12. bei den US Open.

Es sollte nur ein weiteres Jahr dauern, bis ihm der wirkliche Durchbruch gelang. Als 23-Jähriger war er mit seinem Sieg bei den Puerto Rico Open (-20) im Grand Reserve Country Club der erste Norweger, der jemals auf der PGA Tour gewann.

Seitdem hat er fleißig weiter an der norwegischen Erstlingsliste gefeilt. Mit seinem Sieg bei den BMW International Open 2021 war er der erste Norweger, der auf der European Tour gewann. Er war der erste Norweger mit einem Platz unter den ersten 50 in der Weltrangliste. Und er war der erste Norweger, der es in das europäische Ryder-Cup-Team geschafft hat.

Es folgten die Siege 2 und 3 auf der PGA Tour, als er 2020 die Mayakoba Golf Classic gewann und 2021 seinen Titel bei diesem Turnier verteidigte.

Die Erfolge des Jahres 2021 rundete er dann mit einem Sieg bei der Tiger Woods' Invitational Hero World Challenge auf den Bahamas ab. Danach flog er nach Hause nach Norwegen, um mit seiner Familie als Nummer 7 der Welt Weihnachten zu feiern. Ganz entspannt und um eine Million US-Dollar reicher.

An einem Nachmittag im November konnten wir einen Termin für ein Online-Interview mit dem norwegischen Starspieler ergattern. Zwischen Oklahoma, USA, und Örebro, Schweden, liegen sieben Stunden Zeitunterschied. Während es am Hauptsitz von Dormy bereits dunkel ist, steht Hovland gerade auf.

Aber er ist gut gelaunt. Seit seinem letzten PGA-Sieg hat er es ruhig angehen lassen.

Sie schweben auf einer Welle des Erfolgs. Haben Sie manchmal das Gefühl, dass alles zu schnell geht?

„Das ist schwer zu sagen. Einerseits fühlt es sich an, als würde ich schon seit langer Zeit Profigolf spielen, andererseits ist die Zeit auch wie im Flug vergangen. Wie Sie wissen, lebe ich in Oklahoma, ganz in der Nähe des Colleges, das ich besucht habe, und gerade jetzt beenden die Studenten, die im ersten Jahr waren, als ich im letzten Jahr war, ihr Studium. Das ist mein persönlicher Realitätscheck.“

Was ist Ihr Erfolgsrezept?

„Ich lasse mir Zeit, habe Spaß am Golfspielen und arbeite hart. Außerdem interessiere ich mich für Statistik und bin immer auf der Suche nach Dingen, die mich besser machen können. Als Juniorspieler bin ich nie herausgestochen und habe mich keinesfalls so schnell weiterentwickelt wie viele meiner Gegner, aber ich habe jedes Jahr neue Fortschritte gemacht. Solange man sich laufend verbessert, kann man es weit bringen.“

Das Interesse an Statistiken teilt er mit Bryson DeChambeau, der ebenfalls jedes Jahr neue Höhen erreicht. Auch wenn sein Ansatz ein wenig anders ist. Für Viktor Hovland stehen die Spielstatistiken im Vordergrund.

„Mir geht es darum, mein Spiel in einzelne Abschnitte aufzuteilen. Ich weiß natürlich, woran ich arbeiten muss, aber es ist sehr hilfreich, Zahlen zu haben, die meine Vermutungen untermauern. Wer sich meine Statistiken anschaut, sieht, dass ich mich in jedem Aspekt meines Spiels verbessert habe, seitdem ich Profi bin, aber auf dem Grün bleibt noch einiges zu tun. Ich verbringe viel Zeit auf dem Platz und arbeite daran, beim Putten konstantere Ergebnisse zu erzielen. Ich schlage jetzt viel weiter als zu Beginn meiner Profi-Karriere. Wenn ich darauf aufbauen kann, immer ein bisschen weiter und weiter schlage, und gleichzeitig beim Putten konstant bleibe und meine Stabilität beibehalte, wäre das eine gute Sache.“

Ist Ausrüstung genauso wichtig wie Statistiken?

„Nein, ganz und gar nicht! Ich bin ein sehr technischer Mensch und möchte verstehen, warum etwas passiert. Aber wenn es um Schläger geht, habe ich mich nie wirklich damit beschäftigt, was die verschiedenen Schäfte bewirken und warum die Gradzahlen so oder so sind. Ich glaube, für mich wäre es eher kontraproduktiv, würde ich mich zu sehr mit den Details befassen und anfangen, an den verschiedenen Stellschrauben zu drehen. Ich versuche, zumindest auf diesem Gebiet den Ball flach zu halten und beschäftige mich stattdessen mit anderen Dingen.“

Hovland wird von Ping ausgerüstet, gegründet vom Norweger Karsten Solheim. Diese norwegische Kooperation ist für Viktor Hovland, der seine gesamte Karriere in den USA verbracht hat, besonders wichtig. Natürlich hat er Familie und Freunde zu Hause in Norwegen, schaut norwegische Nachrichten und ab und an die eine oder andere norwegische Fernsehserie, aber abgesehen davon gibt es nicht viel Norwegisches in seinem Alltag.

„Wenn man in den USA lebt, ist es sehr einfach ... nun, ich würde nicht sagen, dass man vergisst, woher man kommt ... aber natürlich sind die USA ganz anders als Norwegen und Schweden. Es gefällt mir, in Bekleidung von J.Lindeberg aus Schweden und mit Schlägern von Ping zu spielen, die sozusagen aus Norwegen stammen. Ich finde es schön, etwas zu haben, dass mich mit meiner Heimat verbindet.“

Viktor Hovland wurde am 18. September 1997 in Oslo geboren. Obwohl Norwegen ein absolutes Wintersportland ist, war es nie eine Frage, dass er diesen Weg einschlagen würde. Als Kind versuchte er sich an verschiedenen Sportarten, aber für keine davon brauchte man Wollmützen oder Skistiefel. Sein Interesse galt eher Taekwondo, Fußball und Golf.

„Ich bin quasi im Grønmo Golf Club aufgewachsen, der nur 10 Minuten von meinem Elternhaus entfernt ist. Es war ein tolles Umfeld mit vielen Gleichaltrigen, die ebenfalls alle Golf spielten. Als ich dann merkte, dass ich jedes Jahr besser wurde, habe ich den Sport intensiver verfolgt. Ich habe immer sehr gerne Golf gespielt.“

Schon früh ließ er sich von Tiger Woods und Sergio Garcia inspirieren.

„Tiger ist mein großes Vorbild. Ich habe mir stundenlang Videos seiner Highlights oder von wichtigen Putts, die er versenkt hat, und sanften Rettungsschlägen aus dem Unterholz angesehen. In Europa war es Sergio Garcia. Sowohl Tiger als auch Garcia haben eine große Rolle in meiner Entwicklung gespielt.“

Fast ein Jahrzehnt, nachdem er sich den Clip vom Arnold Palmer Invitational in Bay Hill 2013 unzählige Male angeschaut hatte – als Garcia am 10. Loch in einen Baum kletterte, um seinen zweiten Schlag rückwärts und einhändig zu schlagen –, war Hovland an der Reihe, den Golfplatz Whistling Straits in Haven, Wisconsin, USA, in genau dem gleichen europäischen Team-Shirt zu betreten, das Garcia damals trug.

Schon in in jungen Jahren hatte er die Hoffnung gehegt, eines Tages in das europäische Ryder-Cup-Team aufgenommen zu werden. Da das Turnier aber eigentlich schon 2020 und nicht erst 2021 stattfinden sollte, blieb ihm nicht viel Zeit, um sich dafür zu qualifizieren. Dass COVID-19 dann alle Pläne über den Haufen warf, war mit Sicherheit kein Grund zum Jubeln, für Hovland aber bedeutete es ein Jahr zusätzliche Vorbereitungszeit.

Wie war es, Teil des Teams zu sein?

„Es war eine unglaubliche Erfahrung. Das europäische Team bestand aus all den Leuten, zu denen ich in den letzten sieben Jahren aufgeschaut hatte und deren Spiele ich seit jeher verfolge. Lee Westwood, Sergio Garcia, Ian Poulter, Rory McIlroy und Jon Rahm – alles Legenden des europäischen Golfsports. Und dann waren da noch (Pádraig) Harrington, Robert Karlsson, Henrik Stenson und G-mac (Graeme McDowell). Es war eine große Ehre, im selben Team zu spielen wie sie. Auch wenn wir in dieser Woche nicht unsere beste Leistung gezeigt haben, ist es eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde.“

Als Viktor Hovland im Podcast „Better than I found“ von Mike McGraw zu Gast war, reüssierte dieser, dass „echte Begeisterung wie ein fünfzehnter Schläger im Bag“ sei. Beobachtet man Hovland, sieht man ihn selten ohne ein Lächeln im Gesicht.

Obwohl er sich gegen echte Giganten dieses Sports behaupten muss, scheint der enthusiastische Hovland beim Publikum und den Medien besonders gut anzukommen. Plötzlich betritt da ein junger Norweger die Golfbühne, der Poker und Heavy-Metal-Musik liebt, in die Kamera lächelt und offen über seine Nervosität während des Spiels spricht.

Vielleicht erwischen die Kameras ihn ja auch immer nur im genau richtigen Moment. Aber wahrscheinlich ist es einfach so, wie er sagt: dass er jede Menge Spaß am Golfspielen hat.

Auch wenn sich der 24-Jährige keine allzu großen Ziele setzt, ist klar, dass ein Sieg bei einem Major ganz oben auf seiner Wunschliste steht. Nachdem er in einer Reihe von Wettbewerben gute Ergebnisse gezeigt und sowohl auf der Europa- als auch auf der PGA-Tour gewonnen hat, ist ein Major der nächste Schritt. Nicht zuletzt, um die Statistiken (im Herrenspiel) auszugleichen.

„Es wäre fantastisch, ein Major zu gewinnen. Schweden hat mit Henrik Stenson schon einen Major-Gewinner vorzuweisen. Wäre doch toll, wenn Norwegen gleichziehen könnte. Jeder professionelle Golfspieler möchte ein Major gewinnen. Also hoffe ich, dass ich mich weiter verbessern kann, um bei den kommenden großen Turnieren meine Stärken zu zeigen.“

Spüren Sie eine gewisse nationale Rivalität zwischen Schweden und Norwegen?

„Ja, schon ein wenig. Mit Sicherheit als ich jünger war und im Fernsehen viele Skiwettbewerbe angesehen habe. Wobei das vielleicht keine echte Rivalität war, denn die Norweger sind beim Skifahren vorne, aber ihr seid besser im Fußball, im Eishockey und in den anderen größeren Sportarten. Auch im Golf war Schweden die letzten Jahre erfolgreicher, deshalb würde ich sagen, eine kleine Rivalität besteht schon“, sagt er und lächelt.

Aber jetzt sind Sie da und nehmen sich der Sache an?

„Ja, ich glaube, es geht ein bisschen in diese Richtung. Aber ihr seid immer noch viel mehr als wir, also haben wir jede Menge zu tun.“

Dank des großen Erfolgs von Hovland könnte die Zahl der norwegischen Kinder, die Skischuhe und Wollmütze gegen weiße Handschuhe und Golfmütze eintauschen, steigen.

Gerade jetzt, wo in Norwegen ein so strahlender neuer Stern am Firmament des Golfsports leuchtet, wäre es der perfekte Moment gewesen, eine solide Grundlage für den norwegischen Golfsport auf heimischem Boden zu schaffen. Da sich das norwegische Olympische und Paralympische Komitee, der norwegische Sportverband und die European Tour jedoch nicht auf Dopingregeln einigen konnten (das norwegische Olympische und Paralympische Komitee und der norwegische Sportverband verlangen, dass ein Spieler jederzeit für Dopingkontrollen zur Verfügung stehen muss, während die European Tour dem widerspricht), können derzeit keine European-Tour-Turniere auf norwegischem Boden ausgetragen werden. Das hätte dem norwegischen Golfsport wahrscheinlich einen enormen Schub verliehen.

Was bedeutet es für Norwegen, keine Wettbewerbe der European Tour ausrichten zu können?

„Das ist ein bisschen schade und sicherlich ein Rückschlag für den norwegischen Golfsport. Auf ein Turnier zu gehen und Golf auf höchstem Niveau selbst zu erleben anstatt es nur im Fernsehen zu verfolgen, wäre eine großartige Gelegenheit für andere Profis und alle, die mit dem Golfsport noch nicht so vertraut sind. Ich spiele hauptsächlich in den USA, sodass es für mich persönlich keinen großen Unterschied macht. Aber es wäre natürlich schön gewesen, ein European-Tour-Turnier zum Beispiel in Miklagard Golf, meinem Heimatclub in Norwegen, zu spielen. Hoffentlich kann man sich in Zukunft auf eine Lösung einigen.

Welches Major ist für Sie das wichtigste?

„Wie Sie wissen, habe ich bei den Masters mein erstes Major gespielt, und das war eine unglaubliche Erfahrung. Ich verfolge die Masters, seit ich sehr jung war, und dort vor Tausenden von Menschen zu spielen, war fantastisch. Für mich sind die Masters die klare Nummer eins. Gleichzeitig war ich aber auch noch nie in St. Andrews – und bei den British Open würde ich auch gerne spielen“, sagt er, macht eine Pause und fährt fort:

„Also ja, dann alle Majors. Ich würde mich nicht beschweren, eines der Turniere zu gewinnen.“

Während sich Frida Karlsson und Therese Johaug auf den Pisten gegenseitig jagen, ist Viktor Hovland auf der Jagd nach den Majors. Wäre es vermessen zu sagen, dass es wohl nicht mehr allzu lange dauern wird, bis er auch eines davon gewinnt? Zwei? Vielleicht drei?

Wir freuen uns darauf.

Fast genauso wie darauf, dass Schweden den nächsten Titel holt.

IN THE BAG

DRIVER:

Ping G425 LST, 8,4°

FAIRWAY-HÖLZER:

TaylorMade SIM 15° und Ping G425 Max 20,5°

EISEN:

Ping i210 (4-PW)

WEDGES:

Ping Glide Forged Pro 50° und 56° sowie Titleist Vokey SM8 60°

PUTTER:

Ping PLD DS 72 Prototyp

DREI STIMMEN FÜR VIKTOR

Suzann Pettersen

Norwegens beste Golferin aller Zeiten

„Viktor ist beeindruckend auf dem Golfplatz. Es macht Spaß, seine Entwicklung zu verfolgen, und zu sehen, mit welcher Leichtigkeit er auf Topniveau spielt.“

Jan Erling Espelid

Ehemaliger Chefredakteur von Norsk Golf

„Er ist sehr bekannt. Jeder in Norwegen weiß, der Viktor Hovland ist. Er hat viel von dem Enthusiasmus, der Suzann Pettersen in ihrer aktiven Karriere auszeichnete. Er ist sehr entschlossen und hat hart trainiert. Das zahlt sich jetzt aus.“

Henrik Stenson

Der erste Gewinner eines Major-Turniers aus dem hohen Norden

„In seinen Drives steckt viel Power, er ist stark auf dem Grün und spielt überlegt, was immer von Vorteil ist. Und klar, ein netter Kerl ist er auch. Ich denke er hat das Zeug dazu, einer der ganz Großen zu werden. Er gehört schon jetzt zu den neuen Stars wie Collin Morikawa und Matthew Wolff.“

Fanny Persdotter